Plattform gegen Rechtsextremismus
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EXERZITIUM

Der christliche Unterschied

von Hans Conrad Zander

Warum sind eigentlich die kleinen, schmalen Bücher, die Pinchas Lapide, der jüdische Religionshistoriker, über Jesus Christus geschrieben hat, so viel spannender als alle christliche Theologie? Und was konnte ihn, einen Juden, der vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Palästina fliehen musste, bewegen, nach dem Krieg zurückzukehren nach Deutschland, um hier, ausgerechnet hier, über Jesus Christus zu forschen und zu schreiben? Erst am Ende eines langen Gesprächs über andere Dinge habe ich mich getraut, ihn das zu fragen. Die Antwort kam so locker, als erzählte er nur eine von vielen bedeutungslosen Anekdoten:

Nach der Gründung des Staates Israel war Pinchas Lapide, von 1956 bis 1958 als Konsul nach Mailand geschickt worden. Dort sagte er, habe er eines Tages die Aufgabe übernommen, eine italienische Äbtissin zu ehren, die gegen Ende des Kriegs viele Juden in ihrem Kloster versteckt und ihnen so das Leben gerettet hatte. Eine eher schleppende öffentliche Zeremonie sei das gewesen, wie man sie eben hinter sich bringe. Auch habe die alte Nonne auffallend in sich gekehrt gewirkt, so als gingen sie die ehrenden Worte, die doch an sie gerichtet waren, nichts an. Auch danach, bei einem Zusammensein im kleinen Kreis, sei sie fast die ganze Zeit stumm geblieben. Doch plötzlich habe sie aus ihrem Stuhl zu ihm aufgeschaut, habe ihn aufmerksam gemustert und leise und eindringlich gefragt: "Sagen Sie mir, was sind Sie denn nun: Sind Sie Kommunist oder Jude oder Nazi?" Entgeistert habe er sie angestarrt und sich gefragt, ob die alte Frau nicht schon ein bisschen geistig verwirrt sei. Sie aber habe ihm unverwandt in die Augen geschaut und dann ganz trocken hinzugefügt: "Wissen Sie, in unserem Kloster haben wir zuerst die Kommunisten vor den Faschisten versteckt. Dann haben wir die Juden vor den Deutschen versteckt. und dann, nach dem Krieg, haben wir bei uns die alten Nazis versteckt. Und jetzt kann ich sie alle nicht mehr voneinander unterscheiden."

"In jenem Augenblick", sagte Pinchas Lapide, "habe ich gespürt, was das ist, der Geist Jesu Christi". Sprach's, packte, im Aufbruch schon, rasch seine Mappe zusammen und merkte überhaupt nicht, dass ich ihn genauso sprachlos staunend ansah wie er damals jene italienische Nonne.

Viele Christen betrachten es als ihre christliche Berufung, zwischen Gut und Böse scharf zu unterscheiden, sich entsprechend für das als gut Erkannte einzusetzen und das als bös Erkannte entschlossen zu bekämpfen. Das ist sicher sehr lobenswert. Sehr interessant ist es allerdings nicht, auch gewiss nicht originell. In auffälliger Weise denken und handeln wir so genau wie alle andern Religionen. Wie aber, wenn es das unterscheidend Christliche wäre, im Angesicht menschlicher Geschlagenheit, Erbarmungswürdigkeit und Not zwischen den Guten und den Bösen einen Augenblick, manchmal wenigstens einen Augenblick lang, gar nicht zu unterscheiden?

Plattform Erinnern - gegen Rechtsextremismus

In seinem Grußwort zum Aufenthalt des Zuges der Erinnerung im Bistum Aachen im März und April 2011 sagt Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff: "Die Kirche, in Verpflichtung zur Lehre Jesu und in der Absicht, seine Liebe zu allen Menschen nachzuahmen, empfindet tiefes Mitgefühl für die Opfer, derer hier gedacht wird. Ebenso ist sie all denen nahe, die heute aufgrund von Volkszugehörigkeit, Hautfarbe, Lebensbedingungen oder Religion verfolgt werden – sie teilt ihre Leiden und macht sich ihre Hoffnung auf Gerechtigkeit zu eigen. Die Kirche ist verpflichtet, unablässig zu beten und zu arbeiten, um zu gewährleisten, dass der Hass nie wieder in den Herzen der Menschen herrsche. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist der Gott des Friedens (vgl. Ps 85, 9)."

Nachdem 2011 der Zug der Erinnerung durch das Bistum Aachen gefahren ist und auch an zwei Orten in unserer Region Heinsberg zu Gast war, sind viele daraus resultierende Impulse weiter bearbeitet worden.

Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die Plattform Erinnern - gegen Rechtsextremismus, die wir auf der Homepage der Katholischen Kirche in der Region Heinsberg eingerichtet haben.

Sie dient engagierten Menschen, Schulen, Initiativen und Gruppierungen dazu, ihr Anliegen, ihre Arbeiten und Projekte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, auch ohne eine eigene Homepage gestalten zu müssen. Sie setzt damit ein Zeichen gegen rechtsextremistische Bestrebungen, die auch in der Region Heinsberg immer offensichtlicher werden.

Die katholische Kirche  der Region Heinsberg stellt sich deutlich gegen rechtsextreme, antisemitische, rassistische und neonazistische Tendenzen in unserer Gesellschaft und engagiert sich für den Schutz der unveräußerlichen Würde eines jeden Menschen:

wir stehen für einen friedlichen und respektvollen Umgang mit allen Menschen, unabhängig von deren Geschlecht; Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung oder Hautfarbe.

Zum Start der Plattform ist als erster Nutzer die Initiative Erinnerung Geilenkirchen mit dabei. Wir wünschen uns die Einbindung vieler weiterer Aktivitäten aus den einzelnen Städten und Gemeinden des Kreises Heinsberg.

Zudem werden wir die für 2013 geplanten Bildungsveranstaltungen der Kirchlichen Jugendarbeit der Region Heinsberg als auch des Katholischen Forums für Familien- und Erwachsenenbildung auf der Plattform veröffentlicht. Auch hier streben wir eine Ausweitung auf viele weitere Anbieter und Träger von Bildungsangeboten gegen Rechts an.

Unterstützen sie unser Anliegen, engagieren Sie sich und bringen Sie sich bitte mit ein.

Nutzen Sie dazu das Serviceformular.

Serviceformular Plattform Erinnern - gegen Rechtsextremismus

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